top of page

"Keine Zeit, kein Geld": Die zwei häufigsten Ausreden beim Investieren

Sprich mit zehn Leuten über das Thema Sparen und Investieren, und bei mindestens acht davon kommt früher oder später einer von zwei Sätzen: "Ich habe keine Zeit dafür" oder "Ich habe kein Geld übrig." Ich habe diese beiden Sätze selbst über Jahre gehört, von Freunden, von Bekannten, manchmal auch von mir selbst, bevor ich ehrlich hingeschaut habe. Und genau dieses ehrliche Hinschauen möchte ich heute mit dir teilen.



"Ich habe keine Zeit"

Fangen wir mit einer einfachen Tatsache an: Jeder Mensch auf diesem Planeten hat exakt 24 Stunden am Tag. Kein Mensch hat mehr, kein Mensch hat weniger, egal wie erfolgreich, reich oder beschäftigt er ist. Was sich unterscheidet, ist nicht die verfügbare Zeit, sondern das, womit wir sie füllen.


Eine aktuelle Langzeitstudie der Universität Zürich zeigt: Schweizerinnen und Schweizer verbringen 2025 im Schnitt 5,7 Stunden täglich im Internet, bei den 20- bis 29-Jährigen sind es sogar 8,4 Stunden. Rechnet man die reine Bildschirmzeit ausserhalb der Arbeit zusammen, kommen viele auf über 6 Stunden pro Tag, davon rund 2,4 Stunden allein am Smartphone und fast 2 Stunden mit Streaming. Ich sage das nicht, um jemandem ein schlechtes Gewissen zu machen, ich habe selbst genug Stunden mit Scrollen verbracht. Aber die Zahl zeigt eines sehr deutlich: Die Zeit ist da. Das Investieren deines Ersparten braucht am Anfang vielleicht eine Stunde, um ein Depot zu eröffnen, und danach nur noch wenige Minuten im Monat für einen Dauerauftrag. Das "Ich habe keine Zeit" ist bei den allermeisten Menschen in Wahrheit ein "Ich habe andere Prioritäten", und das ist etwas völlig anderes, auch wenn es sich ähnlich anfühlt.



"Ich habe kein Geld"

Dieser Satz ist heikler, weil er für manche Menschen tatsächlich zutrifft. Wer jeden Franken für Miete, Krankenkasse und Essen braucht, hat schlicht keinen Spielraum, das ist real, und das will ich hier nicht kleinreden. Aber für einen grossen Teil der Menschen, die diesen Satz sagen, stimmt er bei genauerem Hinschauen nicht ganz.

Laut aktuellen Zahlen geben Schweizer Haushalte im Schnitt rund 480 Franken pro Monat für Unterhaltung, Freizeit und Kultur aus, dazu kommen nochmals etwa 540 Franken für Restaurantbesuche und Reisen. Das sind über 1'000 Franken im Monat, die in vielen Haushalten für Dinge draufgehen, die schön sind, aber nicht überlebenswichtig. Ich will damit nicht sagen, dass du nie mehr auswärts essen oder Netflix schauen sollst, das wäre auch nicht mein Anspruch an dich oder an mich selbst. Aber die Zahl zeigt: Bei den meisten Menschen ist nicht "kein Geld" das eigentliche Problem, sondern wohin das vorhandene Geld fliesst. Ein Dauerauftrag von 50 oder 100 Franken im Monat, der Betrag einer einzigen Restaurantrechnung, reicht völlig aus, um anzufangen. Wichtig ist nicht die Höhe am Anfang, sondern dass du überhaupt startest.



Wie die meisten Menschen heute wirklich leben

Wir leben in einer Zeit, in der praktisch alles sofort verfügbar ist: Essen in 20 Minuten geliefert, das neueste Handy auf Kredit, der nächste Urlaub mit "Jetzt buchen, später zahlen". Diese Sofortigkeit hat sich tief in unseren Alltag eingegraben, und sie kostet nicht nur Geld, sondern lenkt auch von den Dingen ab, die uns langfristig wirklich weiterbringen würden. Wir konsumieren im Schnitt Stunde um Stunde Inhalte, die uns unterhalten, und geben Geld für Dinge aus, die im Moment gut tun, aber selten für unsere Zukunft arbeiten.


Das ist keine Kritik an einzelnen Menschen, es ist einfach die Realität, in der wir grossgeworden sind, mit ständiger Ablenkung und ständiger Verfügbarkeit von allem. Genau deshalb hilft es, sich regelmässig eine ehrliche Frage zu stellen: Wofür setze ich meine 24 Stunden und meine verfügbaren Franken tatsächlich ein, und deckt sich das mit dem, was ich mir für meine Zukunft wünsche?



Auf den Punkt gebracht

"Keine Zeit" und "kein Geld" sind selten die eigentliche Wahrheit, meistens sind es Prioritäten, die anders gesetzt wurden. Das ist keine Schuldzuweisung, ich war selbst lange an diesem Punkt. Aber sobald du dir eingestehst, dass es um Priorität statt um Unmöglichkeit geht, veränderst du auch deine Möglichkeiten. Schon ein kleiner, regelmässiger Betrag und wenige Minuten im Monat reichen, um zu starten. Der Rest ist Geduld und Disziplin.



Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Bildung und gibt meine persönliche Einschätzung wieder. Ich bin weder Anlage- noch Steuerberater. Er ersetzt keine individuelle Finanzberatung.

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


bottom of page