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Bitcoin Mining: Warum es in Europa fast unmöglich ist – und wie Firmen es trotzdem schaffen


Stell dir vor, du hättest eine Maschine, die rund um die Uhr läuft und dir Bitcoin schenkt, du musst nur den Stecker einstecken. Klingt nach einem Traum, oder? Genau das ist Bitcoin Mining. Das Problem: Diese Maschine frisst enorm viel Strom. Und genau daran scheitert der Traum für die meisten Menschen in der Schweiz. In diesem Beitrag erkläre ich dir, wie Bitcoin Mining funktioniert, warum die Schweiz dabei einen riesigen Nachteil hat und wie clevere Firmen diesen Nachteil trotzdem umgehen.



Was ist Bitcoin Mining überhaupt?

Bitcoin läuft nicht über eine Bank, sondern über ein weltweites Netzwerk aus Computern. Diese Computer prüfen und bestätigen laufend Transaktionen und fassen sie in "Blöcken" zusammen. Damit das fälschungssicher passiert, müssen die Computer ein kompliziertes Rechenrätsel lösen – ein bisschen wie ein Wettrennen, bei dem ständig neue Zahlenkombinationen ausprobiert werden. Wer als Erster die richtige Lösung findet, darf den nächsten Block bestätigen und bekommt dafür neue Bitcoin geschenkt. Das nennt man Mining, zu Deutsch "Schürfen" – wie beim Goldschürfen, nur digital.

Für dieses Rechnen braucht man spezielle Computer, sogenannte ASICs (kleine Maschinen, die nur genau diese eine Aufgabe extrem schnell und effizient erledigen können). Und genau diese Maschinen laufen Tag und Nacht mit hoher Leistung, ein einzelnes modernes Gerät zieht so viel Strom wie mehrere Elektroherde gleichzeitig. Damit wird klar: Der Stromverbrauch ist der grösste Kostenfaktor beim Mining. Wichtiger sogar als der Preis der Maschine selbst.



Wie viele Bitcoin gibt es überhaupt – und was sind die 10-Minuten-Blöcke?

Ein wichtiger Unterschied zu normalem Geld: Bitcoin kann nicht einfach unbegrenzt "nachgedruckt" werden. Es wird von Anfang an nur 21 Millionen Bitcoin geben, keinen einzigen mehr. Das steht fest im Programmcode des Netzwerks und lässt sich nicht ändern, egal wer das möchte. Aktuell sind bereits rund 20 Millionen Bitcoin geschürft, das entspricht etwa 95 Prozent der gesamten Menge, die es je geben wird. Die letzten Bitcoin werden erst um das Jahr 2140 vergeben, weil die Belohnung pro Block immer kleiner wird, je näher man an die 21 Millionen kommt.


Und genau hier kommen die 10-Minuten-Blöcke ins Spiel: Das Bitcoin-Netzwerk ist so programmiert, dass im Schnitt alle 10 Minuten ein neuer Block gefunden wird, egal ob gerade zehn oder zehn Millionen Miner weltweit mitrechnen. Damit das so bleibt, passt das Netzwerk automatisch die Schwierigkeit des Rechenrätsels an: Rechnen plötzlich viel mehr Miner mit, wird das Rätsel schwieriger. Steigen viele Miner aus, wird es leichter. So dauert es im Durchschnitt immer etwa 10 Minuten, egal wie viel Rechenleistung gerade im Netzwerk aktiv ist. Nur alle vier Jahre (ungefähr) halbiert sich zusätzlich die Belohnung pro Block, das nennt man "Halving". So wird die Ausgabe neuer Bitcoin über die Zeit immer knapper, bis irgendwann die 21-Millionen-Grenze erreicht ist.



Was bedeutet eigentlich "Hashrate"?

Die Hashrate ist ganz einfach gesagt die gesamte Rechenleistung, mit der gerade am Bitcoin-Rätsel gerechnet wird, also wie viele Rateversuche pro Sekunde weltweit gemacht werden. Stell es dir wie eine riesige Lostrommel vor: Je mehr Lose (Rechenversuche) pro Sekunde gezogen werden, desto höher die Hashrate. Für dich als einzelnen Miner ist wichtig: Je höher die weltweite Hashrate insgesamt ist, desto kleiner ist dein eigener Anteil daran und desto seltener gewinnst du selbst einen Block. Deshalb schliessen sich die meisten Miner heute zu sogenannten Mining-Pools zusammen: Viele Miner rechnen gemeinsam, und wer im Pool einen Block findet, teilt die Belohnung anteilig mit allen anderen im Pool. So bekommt man regelmässigere, kleinere Auszahlungen, statt selten auf einen grossen Treffer zu hoffen.



Warum die Schweiz dabei fast keine Chance hat

Hier kommt das eigentliche Problem: In der Schweiz zahlt ein durchschnittlicher Haushalt 2026 laut der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom rund 27,7 Rappen pro Kilowattstunde. Je nach Wohnort und Netzbetreiber ist die Spanne aber riesig: Am günstigsten Ort der Schweiz zahlt man knapp 10 Rappen pro Kilowattstunde, am teuersten über 43 Rappen, mehr als das Vierfache. Ein einzelner moderner Miner verbraucht bei Schweizer Durchschnittspreisen täglich für rund 20 bis 25 Franken Strom, nur für ein einziges Gerät. Damit ein Gerät profitabel läuft, müsste der Strompreis aber bei ungefähr 12 bis 15 Rappen pro Kilowattstunde liegen, je nach Bitcoin-Kurs und Effizienz der Maschine. Das schaffen viele Schweizer Gemeinden schlicht nicht, der Median liegt fast doppelt so hoch.

Ein interessantes Detail am Rande: Die günstigsten Kantone der Schweiz sind ausgerechnet Zug (22,9 Rappen), Uri (23,9 Rappen) und Nidwalden (24,2 Rappen), Zentralschweizer Kantone mit grossen Wasserkraftwerken und effizienten Verteilnetzen. Auch hier zeigt sich schon: Wo Wasserkraft in der Nähe ist, wird Strom günstiger.

Kommt dazu: Bitcoin-Mining ist ein globaler Wettbewerb. Alle Miner weltweit rechnen gegeneinander um dieselbe Belohnung, und das Netzwerk passt die Schwierigkeit des Rechenrätsels automatisch an, je mehr Rechenleistung mitmacht. Wenn also irgendwo auf der Welt extrem günstiger Strom verfügbar ist, wird dort mehr gemint und die Schwierigkeit steigt für alle anderen mit. Wer in der Schweiz zu normalen Haushaltspreisen minen will, tritt gegen Betreiber an, die für einen Bruchteil des Preises Strom beziehen. Das ist, wie wenn du versuchen würdest, mit einem Fahrrad gegen ein Auto ein Rennen zu gewinnen.



Die Lösung: dorthin gehen, wo der Strom günstig ist

Genau deshalb sind die grössten und erfolgreichsten Miner keine Privatpersonen mit einem Gerät im Keller, sondern Firmen, die gezielt Orte mit sehr günstigem Strom suchen und sich dort ganze Container voller Mining-Maschinen hinstellen.

Ein gutes Beispiel: Das deutsche Unternehmen Northern Bitcoin AG betreibt seine Miner in einer ehemaligen Bergwerkshöhle in Norwegen, der Lefdal-Mine. Dort zahlt die Firma umgerechnet nur etwa 3 bis 4 Rappen pro Kilowattstunde – für Strom, der zu hundert Prozent aus Wasserkraft stammt. Das ist weniger als ein Fünftel dessen, was ein durchschnittlicher Schweizer Haushalt bezahlt, und sogar deutlich weniger als der günstigste Tarif der Schweiz. Norwegen ist generell zu einem der wichtigsten Mining-Standorte Europas geworden: Rund 90 Prozent des norwegischen Stroms kommen aus Wasserkraft, dazu kommt kühles Klima, das die Kühlung der Maschinen erleichtert und zusätzliche Stromkosten spart. Neben Northern Bitcoin haben sich dort auch Firmen wie Kryptovault, Bitfury, Bitzero oder Bitdeer angesiedelt. Auch in Schweden setzen grosse Miner wie das amerikanische Unternehmen GDA auf Wasserkraft, unter anderem in einem ehemaligen klassischen Rechenzentrum.

Das Besondere an vielen dieser Firmen: Ihre Miner stecken in mobilen Containern, fertig verkabelte, gekühlte "Boxen" voller ASIC-Maschinen, die man wie ein Frachtcontainer per Lastwagen oder Schiff an einen anderen Ort transportieren kann. Das gibt den Firmen enorme Flexibilität. Wird der Strom an einem Ort teurer, oder findet sich anderswo ein noch günstigerer Vertrag, wird der Container einfach umgesiedelt. Manche Firmen verhandeln dafür direkt mit lokalen Wasserkraftwerken oder Energieversorgern feste, langfristige Stromverträge zu Grosskunden-Konditionen, oft weit unter dem, was ein normaler Haushalt zahlt. Andere Betreiber gehen noch weiter und suchen gezielt nach "Strom-Abfall": zum Beispiel Erdgas, das bei der Ölförderung sonst einfach ungenutzt abgefackelt würde. Statt es zu verbrennen, wird damit direkt vor Ort Strom für Mining-Container erzeugt – eine Energiequelle, die sonst komplett verpufft wäre.



Und wenn man trotzdem in der Schweiz minen will?

Ganz unmöglich ist es nicht aber es braucht die richtigen Voraussetzungen. Wer in der Schweiz profitabel minen will, braucht entweder:


  • einen Wohnort mit sehr günstigem lokalem Stromtarif (z. B. in Teilen der Zentralschweiz mit viel Wasserkraft),

  • einen speziellen Gewerbestromvertrag deutlich unter dem Haushaltstarif,

  • Zugang zu einer eigenen Energiequelle (z. B. eine eigene Solaranlage oder ein kleines Wasserkraftwerk),

  • oder die Bereitschaft, die Maschinen dort hosten zu lassen, wo Firmen wie oben beschrieben bereits günstige Verträge im Ausland organisiert haben.


Für die meisten Privatpersonen mit normalem Schweizer Haushaltsstrom bleibt Mining aktuell ein Verlustgeschäft. Das ist auch der Grund, warum sich viele grosse Bitcoin-Firmen inzwischen zusätzlich einen zweiten Geschäftszweig aufgebaut haben: Sie vermieten ihre Rechenzentren und Strom-Kapazitäten an KI-Unternehmen, die ebenfalls riesigen Rechenbedarf haben und oft mehr dafür bezahlen als der reine Bitcoin-Ertrag hergibt.



Was du dir merken solltest

Bitcoin Mining ist im Kern ein simples Geschäft: Strom rein, Bitcoin raus. Aber weil der Strompreis über Gewinn oder Verlust entscheidet, hat sich das Mining fast vollständig dorthin verlagert, wo Strom besonders günstig und oft erneuerbar ist. Zum Beispiel zu Wasserkraftwerken in Norwegen oder Schweden. Für Privatpersonen in der Schweiz mit normalem Strompreis lohnt sich Mining derzeit kaum, ausser man wohnt zufällig in einer besonders günstigen Gemeinde mit viel Wasserkraft in der Nähe. Wer trotzdem einsteigen will, sollte entweder Zugang zu sehr günstigem Strom haben oder sein Kapital lieber direkt in Bitcoin investieren, statt es in teure Mining-Hardware zu stecken.





Roy


Disclaimer: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Bildung und Aufklärung. Er ersetzt keine individuelle Anlageberatung.

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