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Dividenden oder Kursgewinn: Was lohnt sich in der Schweiz wirklich?


Zwei Investoren, gleiches Startkapital, gleicher Zeithorizont. Der eine kauft ausschliesslich Dividendenaktien und freut sich jedes Quartal über eine Auszahlung aufs Konto. Der andere setzt voll auf Wachstumsaktien, kassiert nie eine Dividende, dafür soll der Aktienkurs selbst steigen. Wer von beiden liegt in der Schweiz steuerlich und strategisch richtig? Genau das schauen wir uns heute an, inklusive einer Strategie, die ich persönlich verfolge.



Vorweg: Ich bin weder Anlageberater noch Steuerberater. Alles was folgt, ist meine persönliche Einschätzung und dient der allgemeinen Information, nicht der individuellen Beratung.



Die Dividendenstrategie: Vorteile

Bei der Dividendenstrategie kaufst du gezielt Aktien oder ETFs von Firmen, die einen Teil ihres Gewinns regelmässig an die Aktionäre ausschütten. Der grosse Vorteil: Du bekommst laufend Geld aufs Konto, ohne etwas verkaufen zu müssen. Das fühlt sich für viele psychologisch angenehmer an, gerade in Börsenkrisen, weil die Auszahlung unabhängig vom aktuellen Kurs weiterläuft. Dividendenstarke Firmen sind zudem meist etablierte, reife Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, was tendenziell weniger Kursschwankungen bedeutet.



Die Dividendenstrategie: Nachteile in der Schweiz

Hier kommt der Punkt, der viele überrascht: In der Schweiz werden Dividenden als Einkommen versteuert, jedes Jahr, zu deinem persönlichen Grenzsteuersatz. Bei Schweizer Aktien wird zusätzlich sofort eine Verrechnungssteuer von 35 Prozent einbehalten, die du dir über die Steuererklärung zurückholen kannst, aber eben erst mit Verzögerung. Bei US-Aktien, sehr beliebt für Dividenden-ETFs, behält der amerikanische Fiskus in der Regel 15 Prozent Quellensteuer ein (sofern dein Broker das richtige Formular hinterlegt hat). Diese kannst du über das DA-1-Formular an deine Schweizer Steuerrechnung anrechnen lassen, aber eben nur anrechnen, nicht zwingend vollständig zurückbekommen, falls deine Schweizer Steuerlast tiefer ausfällt. Unterm Strich: Jede Dividende, die du kassierst, kostet dich sofort und wiederkehrend Steuern, auch wenn du das Geld gar nicht brauchst und einfach reinvestierst.



Die Kursgewinn-Strategie: Vorteile in der Schweiz

Hier zeigt sich der grösste steuerliche Vorteil, den die Schweiz Privatanlegern bietet: Kursgewinne aus dem Verkauf privat gehaltener Wertschriften sind grundsätzlich komplett steuerfrei. Das ist gesetzlich verankert (Art. 16 Abs. 3 DBG) und gilt unabhängig davon, ob du 1’000 oder 500’000 Franken Gewinn machst, solange du als normaler Privatanleger giltst und nicht als gewerbsmässiger Wertschriftenhändler eingestuft wirst. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat dafür im sogenannten Kreisschreiben Nr. 36 klare Kriterien definiert, unter anderem: eine Haltedauer von mindestens sechs Monaten, ein Transaktionsvolumen von höchstens dem Fünffachen deines Depotwerts pro Jahr, keine Fremdfinanzierung der Anlagen, kein Einsatz von Derivaten ausser zur Absicherung, und die Gewinne dürfen nicht deinen Lebensunterhalt decken. Hältst du dich daran, bleibt dein gesamter Kursgewinn steuerfrei, egal wie hoch er ausfällt.


Das bedeutet konkret: Ein thesaurierender (nicht ausschüttender) Wachstums-ETF oder eine Wachstumsaktie ohne Dividende lässt dein Kapital über Jahre steuerfrei zusammenwachsen. Kein jährlicher Steuerabzug, kein Formularaufwand mit Quellensteuern, volle Zinseszinswirkung.



Die Kursgewinn-Strategie: Nachteile

Der Nachteil ist ebenso real: Es fliesst kein Geld, solange du nichts verkaufst. Willst du Einkommen daraus, musst du aktiv Anteile verkaufen, was in einer schlechten Marktphase psychologisch schwerfällt und ein gewisses Timing-Risiko mit sich bringt. Wachstumsaktien sind zudem meist volatiler als etablierte Dividendenwerte, grössere Kursschwankungen gehören dazu.



Meine persönliche Strategie: zuerst Wachstum, dann langsam umschichten

Genau aus diesem Grund verfolge ich selbst einen zweistufigen Ansatz, den ich hier offen als meine persönliche Herangehensweise teile, nicht als allgemeingültige Empfehlung.


Phase 1:

Kapital aufbauen mit Kursgewinn-Fokus. Solange der Kapitalaufbau im Vordergrund steht, setze ich bewusst auf Wachstumswerte und thesaurierende ETFs ohne nennenswerte Ausschüttung. Der Grund liegt genau in der Schweizer Steuerregel von oben: Weil Kursgewinne steuerfrei sind, wächst das Kapital ungebremst durch jährliche Steuerabzüge. Bei einer Dividendenstrategie würde ein Teil des Ertrags jedes Jahr sofort versteuert und stünde damit nicht mehr für den Zinseszins zur Verfügung.


Phase 2:

Langsames Umschichten in Dividendenwerte. Erst wenn eine gewisse Kapitalbasis erreicht ist und Stabilität sowie ein gewisser Cashflow wichtiger werden als reines Wachstum, beginne ich, schrittweise in Dividenden-ETFs umzuschichten. Und hier liegt der zweite, oft übersehene Vorteil des Schweizer Steuersystems: Weil der Verkauf der Wachstumspositionen ebenfalls steuerfrei ist, kostet dich dieses Umschichten selbst keine Steuern. In vielen anderen Ländern mit Kapitalgewinnsteuer wäre ein solcher Wechsel mit einer happigen Steuerrechnung verbunden. In der Schweiz kannst du im Prinzip verlustfrei von einer Strategie in die andere wechseln, sobald sich deine Lebensphase oder deine Ziele ändern.



Worauf du achten solltest

Ein paar Punkte für die Praxis: Achte bei Dividenden-ETFs auf eine breite Streuung, viele sind stark auf Banken, Versicherungen und Energiefirmen konzentriert, was ein Klumpenrisiko schaffen kann. Bei US-Positionen lohnt sich ein Blick auf das DA-1-Formular in der Steuererklärung, damit die einbehaltene Quellensteuer nicht einfach verloren geht. Und wer sehr aktiv handelt oder viel Fremdkapital einsetzt, sollte die Kriterien des Kreisschreibens Nr. 36 im Hinterkopf behalten, sonst kann die Steuerverwaltung die Kursgewinne im Nachhinein doch als steuerpflichtiges Einkommen einstufen.



Kurz gesagt

Steuerlich betrachtet spricht in der Schweiz vieles für die Kursgewinn-Strategie, solange der Kapitalaufbau im Vordergrund steht: Gewinne bleiben steuerfrei und wachsen ungebremst weiter. Dividenden bringen dafür laufendes Einkommen und mehr Stabilität, kosten aber jedes Jahr Steuern. Eine Kombination, zuerst Wachstum, später Stabilität, kann in der Schweiz besonders gut funktionieren, weil der Wechsel zwischen beiden Strategien dank der Steuerfreiheit von Kursgewinnen selbst keine zusätzlichen Kosten verursacht.



Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt meine persönliche Strategie und dient ausschliesslich der allgemeinen Information. Ich bin weder Anlageberater noch Steuerberater. Er ersetzt keine individuelle Finanz- oder Steuerberatung. Fehler können enthalten.

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